Wenn man noch ganz am Start seiner Rapkarriere steht, lautet die erste Frage: Wie schreibe ich einen Rap-Song? Hier werde ich dir Schritt für Schritt den Ablauf näher bringen.

Wie finde ich ein Konzept/Thema für meinen Song?

Diese Frage in aller Ausführlichkeit zu beantworten, ist zweifellos einen eigenen Beitrag wert, allerdings möchte ich sie hier trotzdem kurz und knapp behandeln. Es gibt hierfür natürlich kein striktes Rezept, dem man stets folgen kann und deine Herangehensweise bei der Themenfindung hängt auch von deiner Rap-Persona („Image“) ab. Kurz gesagt ist es wichtig, dass du ein Konzept findest, das sowohl deine Hörer als auch dich selbst interessiert, zu dem dir genug einfällt und das in einem Rap-Kontext relevant ist.

Wie ist ein Rap-Song aufgebaut?

Die meisten Rap-Tracks bestehen aus zwei oder drei Parts mit jeweils 16 Zeilen (16 „Bars“) und einer acht-zeiligen Hook, die oft vor, fast immer zwischen und meistens auch nach den einzelnen Parts platziert wird. Man kann die Song-Struktur natürlich auch variieren. Beispielsweise gibt es viele Lieder mit acht-, (selten) zwölf- oder 32-zeiligen Parts. Die Hook kann auch vier oder 16 Zeilen umfassen. Außerdem kann eine Bridge für Abwechslung sorgen. Wenn du einen Free-Beat von Youtube für deinen Song nimmst, dann musst du anhand dieses Instrumentals den Aufbau erkennen und dich daran anpassen.

Typischer Aufbau: 16-Zeilen-Strophe, acht-Zeilen-Hook, 16-Zeilen-Strophe, acht-Zeilen-Hook

Wie schreibe ich einen Rap-Text?

Eine der wichtigsten Aspekte im Rap ist das Texten. Nicht nur, weil die Zeilen den Zuhörer packen sollen, sondern auch, weil der Text den Flow vorgibt. Bereits beim Schreiben entscheidet man in 90 % der Fälle, wie die jeweilige Zeile später gerappt wird. Die zwei populärsten Taktiken beim Schreiben eines Rap-Textes sind folgende:

  1. Erst Flow, dann Text: Hierbei setzt man sich mit dem Beat und dem bevorzugten Schreib-Utensil (Zettel, Laptop, Handy, …) hin. Dann hört man sich den Beat an und versucht freestyle-mäßig einen schönen Flow darauf zu finden. Hat man das geschafft, schreibt man Zeilen, die auf die gefundene Melodie passen. Besonders für Fortgeschrittene, die bereits ohne Probleme gute Reime und Zeilen finden können und ihren Flow verbessern wollen, ist diese Herangehensweise empfehlenswert. (Diese Herangehensweise funktioniert besonders gut für Storytelling!)
  2. Erst Text, dann Flow: Hierbei setzt man sich wieder mit dem Beat und dem bevorzugten Schreib-Utensil hin. Zwar sollte man auch hier die Schnelligkeit und die Art des Beats (Dancehall, Trap, Old school, usw. …) berücksichtigen, allerdings steht bei dieser Herangehensweise der Text im Vordergrund. Man schreibt also erst die Zeilen (WICHTIG: Achte darauf, dass die Bars „flowbar“, das heißt auf rhythmische Art und Weise aussprechbar und nicht zu lang sind!) und überprüft erst dann, ob sie auf dem ausgewählten Beat funktionieren. Ich würde jedem Anfänger, der noch nicht problemlos ohne „Zweckreime“ (unzusammenhängende Reime, die amateurhaft klingen) Texte schreiben kann und dem der Text nicht komplett egal ist, diese Herangehensweise empfehlen. (Diese Herangehensweise funktioniert besonders gut für Punchline-Tracks!)

Man kann natürlich auch innerhalb eines Songs zwischen beiden Taktiken variieren. Keine der beiden Herangehensweisen ist als generell besser oder schlechter zu betrachten, beide haben ihre Stärken und Schwächen.

Zusatztipps:

  1. Wenn du eine besonders gute Zeile im Kopf hast, dann setze sie als vierte, achte, zwölfte oder sechzehnte Zeile in der Strophe ein, denn dort kommt sie am besten rüber und wird den Hörer am ehesten in Erinnerung bleiben.
  2. Hast du eine gute Zeile mit Pointe („Punchline“) im Kopf und musst noch eine „Aufbauzeile“ finden, die sich darauf reimt, dann setze diese Aufbauzeile vor die Punchline. Dadurch bekommt die Punchline mehr Beachtung vom Hörer und durch die Aufbauzeile hast du Gelegenheit, das Thema dieser Punchline dem Hörer langsam vorzustellen. Außerdem klingt der Reim durch diese Stellung weniger nach einem Zweckreim. (Richtige Reihenfolge: 1. Aufbauzeile 2. Punchline; Falsche Reihenfolge: 1. Punchline 2. Aufbauzeile …)
  3. Achte schon beim Schreiben des Textes darauf, dass jede Zeile für außenstehende Hörer verständlich ist (keine zu komplizierten Formulierungen) und dass du jedes geschriebene Wort in der Geschwindigkeit, die der Beat vorgibt, absolut sauber aussprechen kannst.

Wie finde ich Reime für meinen Rap-Song?

Auch diese Frage werde ich in einem eigenen Post beantworten, denn die Antwort darauf ist kompliziert und vielschichtig. Für jetzt sei gesagt, dass das Reimen eine Übungs- und Talentsache ist. Jeder Mensch kann zumindest kurze Worte reimen und im Rap ist es sogar so, dass sowohl reime Reime (Haus – Maus) als auch unreime Reime (Haus – Lauf) gelten. Diese Erleichterung macht es den Rappern möglich, viel mehr Silben zu reimen und komplizierte Reimstrukturen zu erschaffen. Reime sind ein Thema, in das man sich als Rap-Fan stark hineinsteigern und mit dem man viel Spaß haben kann.

Aber hat der, der dir hier Tipps geben will, überhaupt etwas drauf? Hör dir hier mein neuestes Lied an und finde es heraus! 😀

Solltest du Tipps fürs Aufnehmen deines Rap-Songs brauchen, klicke hier!

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